Anette Röttger

Anette Röttger
Kultur, Verbraucherschutz, Hochschule

Deutsche Einheit | | Nr. 335/20

TOP 34: Erinnern, bewahren und Zukunft gestalten

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

kürzlich hatte ich meinen ersten Reisepass wieder in der Hand. Ein Reisepass dokumentiert Grenzerfahrungen. Ich habe ihn aufgehoben, weil es im Pass mehrere DDR-Stempel gibt. Diese Stempel erinnern mich an große Erleichterungen nach strengen Grenzkontrollen, an die spannenden Unternehmungen und Begegnungen als Jugendliche Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in der damaligen DDR.

Im Herbst 1989 war ich an der offenen Grenze in Schlutup dabei. Lübeck verwandelte sich über Nacht in eine Stadt voller Trabbis. Unzählige Menschen lagen sich in den Armen, weinten vor Freude und füllten die großen Lübecker Kirchen.

Wir, die wir Zeitzeugen dieser Ereignisse sind, tragen heute Verantwortung. Ich gehöre zu einer Familie, die sowohl hier in Schleswig-Holstein als auch seit der Wende in Mecklenburg-Vorpommern Land bewirtschaftet.

Den Weg der Deutschen Einheit habe ich in den vergangenen 30 Jahren in all seinen Facetten hautnah in Lübeck und Mecklenburg-Vorpommern unmittelbar miterlebt und das hat mich geprägt.

Die Deutsche Einheit ist eine Erfolgsgeschichte und unzertrennlich mit den herausragenden Leistungen unseres damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl verknüpft.

Diese friedliche deutsche Revolution gehört zu den wichtigsten historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts und war ein Glücksfall für unser Land und für unser Volk.

Demokratie, freie Wahlen, ein Rechtsstaat und die soziale Marktwirtschaft haben für alle Menschen in Deutschland ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand hervorgebracht, wie es keine Generation vor uns je erlebt hat. Das alles ist nicht selbstverständlich. Das dürfen wir gerade in diesen besonderen Zeiten und bei allen Veränderungen durch Globalisierung und Digitalisierung nicht aus dem Auge verlieren.

Die Stärkung der inneren Deutschen Einheit bleibt nach 30 Jahren unsere gemeinsame Herausforderung. Mir ist das zu einem Herzensanliegen geworden. Die Begegnungen mit den Menschen, die hier Geschichte geschrieben haben, haben mich immer wieder tief berührt.

Heute ist es unsere Verantwortung, aus der Deutsch-Deutschen-Geschichte zu lernen, um auch die Zukunft friedlich zu gestalten.

Bildung hilft, denn jeder, der hier in Deutschland lebt, muss lernen auch die deutsche Einheit zu verstehen. Das gilt insbesondere für diejenigen, die erst in den 1980er Jahren oder später geboren sind. Das Jahr der politischen Bildung 2019 mit dem Schwerpunkt 30 Jahre Mauerfall war bereits ein gutes Beispiel dafür, sich zusammen mit Schülerinnen und Schülern diesem Thema methodisch kreativ und vielfältig – ob analog – oder digital zu nähern.

Ich bin sehr dankbar, dass es zum Einheitsjubiläum gelungen ist, hier und heute mit einem breiten Schulterschluss im Schleswig-Holsteinischen Landtag darüber zu beraten.

30 Jahre sind ein guter Zeitpunkt, um die Deutsch-Deutsche Geschichte in der schulischen und kulturellen Bildung noch besser zu verankern. Die Deutsche Einheit gehört in den Geschichtsunterricht an unseren Schulen.

Bereits im vergangenen Jahr hat Schleswig-Holstein als Ausrichter des Einheitsfestes hier in der Landeshauptstadt Kiel eindrucksvoll gezeigt, welche Strahlkraft und politische Relevanz der 3. Oktober über Landes- und Bundesgrenzen hinaus hat.

Die Deutsche Einheit ist nach 30 Jahren insbesondere für ein Bundesland wie Schleswig-Holstein mit einer ehemals innerdeutschen Grenze auch räumlich hautnah erlebbar.

Hier sind Begegnungen von Menschen aus Ost und West möglich.

Wir verfügen über historische Orte und in der ehemaligen Grenzregion über Grenzdokumentationsstätten und ehrenamtliches Engagement. All dies gilt es weiter zu unterstützen.

Auf Bundesebene wollen wir dafür werben, dass genau diese authentischen Orte im ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet in Schleswig-Holstein als Lernorte professionell weiterentwickelt und gefördert werden.

Erinnern, bewahren und Zukunft gestalten – das ist unser gemeinsamer Auftrag. Es geht um mehr als gute Nachbarschaft, es geht um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Sprechen Sie uns an:


Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

http://www.cdu.ltsh.de

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