| Nr. 073/07

zu TOP 18: Landstromversorgung von Schiffen in Häfen ist das Gebot der Stunde!

Wenn die “Costa Classica”, die “Costa Marina”, die „Costa Victoria”, die “Costa Lirica” und auch die “Color Fantasy” in diesem Jahr in der Kieler Förde vor Anker gehen, dann sind dass fünf von 115 Besuchen von Kreuzfahrschiffen in diesem Jahr. Nach Lübeck werden etwa 30 Kreuzfahrer kommen, nach Warnemünde knapp 100, nach Bremerhaven 70 und nach Hamburg 80.

Alle Hafenstädte und jedes Bundesland freuen sich über diese Besuche, bringen sie doch Hafengebühren, Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen und vor allem zahlungskräftige Besucher in die Regionen. Und für Nordeuropa wird weiterhin ein stark wachsender Markt für Kreuzfahrten erwartet, an dem wir teilnehmen wollen.

Wenn aber Anwohner und Touristen an der Kieler Förde, in Travemünde oder im Hamburger Hafen über schwarzen Kohlenstaub auf den Balkonen oder draußen beim Spaziergang klagen, über Kohlenstaub, der aus den Schornsteinen der vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiffe kommt, dann muss etwas geschehen. Dann gibt es ein Problem, das gelöst werden muss, nicht nur in unserer Region, sondern in der gesamten Ostsee- und Nordseeregion, an allen Meeren der EU und der Welt.

„European Clean Ship“ heißt das europäische Programm im Grünbuch der EU zur maritimen Politik. Bereits im November 2002 verabschiedete die Kommission eine Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat über eine Strategie der Europäischen Union zur Reduzierung atmosphärischer Emissionen von Schiffen.

Der Schiffssektor ist – so steht es im Grünbuch der Europäischen Union – nach wie vor eine der Hauptquellen der Luftverschmutzung in Europa. Im Jahre 2000 beliefen sich die CO2 – Emissionen in der EU auf 157 Millionen Tonnen. Hinzu kommen die Schwefel-Dioxyd-Emissionen aus der Verbrennung der hochschwefligen Schweröle. Nach internationalen Abkommen gilt für den Schwefelgehalt in Schiffskraftstoffen grundsätzlich ein Grenzwert von maximal 4,5 %.

Nach Angaben der IMO liegt der Schwefelgehalt für Schweröl im globalen Mittel bei 2,7 %. In der Ostsee als Schwefel-Emissionsüberwachungsgebiet ist seit Mai letzten Jahres ein Grenzwert für Schwefel in Schiffskraftstoffen von 1,5 % einzuhalten und eine EU-Richtlinie von 2005 fordert ab 2010 für in Häfen liegende Schiffe einen Schwefelgehalt von 0,1 %.

Wenn wir wollen, dass in den 1.200 europäischen Seehäfen weiterhin mehr als 3,5 Milliarden Tonnen Fracht umgeschlagen werden und mehr als 350 Millionen Passagiere abgefertigt werden, wenn wir wollen, dass in unseren Häfen der Passagier- und Frachtverkehr eine weiterhin bedeutende und wachsende Rolle spielen soll, dann ist unter dem jetzt endlich aktuell erkannten Problem der dramatischen Klimaveränderung auch dringender Handlungsbedarf bezüglich der Reduzierung der Schiffs-Emissionen in Häfen erforderlich, auch durch eine Land-Stromversorgung.

Und diesen Handlungsbedarf möchten wir als Vertreter unseres Parlaments bei der jährlichen Ostseeparlamentarierkonferenz, die diesmal in Berlin stattfindet, einbringen. Wir möchten die Initiative ergreifen mit unserem Beitrag zur Landstromversorgung in der auf der Konferenz zu verabschiedenden Resolution. Diese Initiative sollte für alle Ostseeparlamentarier und auch für alle Regierungen eine Aufforderung sein, sich für die Herausforderung „European Clean Ship“ einzusetzen.

Schleswig-Holstein sollte aus vielen Gründen eine führende Rolle bei diesem europäischen Projekt übernehmen:

- Erstens haben wir mit den Stadtwerken Lübeck bereits ein erstklassiges Kompetenzcenter für die Thematik. Im Rahmen des Interreg-Projektes „New – Hansa“ wurden schon entscheidende Vorarbeiten mit einer Vielzahl von Ostseehafenstädten geleistet. Unter anderem hat Hamburg höchstes Interesse bekundet, an diesem Projekt weiterhin mitzuarbeiten. Die Alternative wäre auch wenig attraktiv, nämlich in der Hamburger Speicherstadt oder der neuen HafenCity seeseitig nur noch mit geschlossenen Mauerwänden statt auch mit Fenstern die Häuser zu bauen, um das Eindringen von Schiffsemissionen direkt zu verhindern.

- Zweitens hat unsere Regierung mit unserem Europaminister hohe Kompetenz und Anerkennung im Bereich „Europäische Meerespolitik“ aufgebaut, die von höchstem Wert sind und für europäische maritime Projekte eingesetzt werden müssen.

- Und wir haben drittens in unserem Land eine hochmoderne Schiffbauindustrie, die sich neben der Problematik „Stromnetzanschluss“ um die Entwicklung modernster Schiffstechnologie im Motorbau kümmern müsste.

Modernste Filtertechnik, sparsame Motoren, ja vielleicht sogar die Entwicklung von Hybrid-Schiffsmotoren für Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Frachter, es sind unglaubliche Herausforderungen in der maritimen Wirtschaft, auch vernetzt mit anderen Ländern, zu bewältigen.

Ein Forschungsplan „WATERBORNE“ der EU ist bereits bis zum Jahre 2020 aufgestellt. Forschung über saubere Schiffstechnologie und moderne Motorenentwicklung sind auch Inhalte dieses Programm.

Vielleicht kann ja begleitend von unserem Wissenschaftsminister auch das Thema der Entwicklung eines eigenen Studienfaches „Maritime Wirtschaft“ angepackt werden. Auch hierfür gäbe es die Chance der Vernetzung mit anderen Hochschulorten der Ostseeanrainerstaaten und die Inhalte dieses Studienfaches wären so umfangreich, dass attraktive Arbeitsplätze für Studienabsolventen sicher wären.

Meere kennen keine Grenzen. Wir werden unsere Aktivitäten auf die Nordsee ausdehnen und unsere Nordseekooperationspartner einschließen. Und das wird weiter gehen.

Technische und andere Hürden wie

- die Frequenzumformung an der Kaimauer und auf der Schiffsseite,

- die kostenaufwendige Umrüstung von Terminals für die Anschlüsse,

- ein möglicher zusätzlicher Bedarf an Kraftwerken,

- die schiffsbezogene Stromabrechnung,

- die unterschiedliche Besteuerung von Landstrom in der EU,

- die Dauer der Liegezeiten

verdeutlichen den langen, nicht einfachen Prozess dieser Herausforderungen. Aber wir müssen diesen Prozess beginnen mit ständigen Schritten der Verbesserung.“ Ehe uns die Welt um die Ohren fliegt“, so ein Zitat unsere Umweltministers Christian von Boetticher, müssen wir das Klimaproblem mit unserer Kompetenz im maritimen Bereich anpacken. Die Parlamentarieroffensive auf der Ostseeparlamentarierkonferenz wäre ein bedeutender erster Schritt.

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Verantwortlich:
Kai Pörksen
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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