Der Parlamentarische Geschäftsführer

Hans-Jörn Arp

Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagfraktion

 

Was ist denn die Aufgabe eines Parlamentarischen Geschäftsführers?

Der Parlamentarische Geschäftsführer ist dafür verantwortlich, dass der innerbetriebliche Ablauf funktioniert. Es ist außerdem seine Aufgabe, dass der Austausch mit anderen Fraktionen, insbesondere innerhalb der Koalition, läuft und dass Anträge sowie die politische Strategie abgestimmt werden. Darüber hinaus kümmert er sich auch um den parlamentarischen Ablauf und sorgt während der Plenarsitzung zusammen mit den anderen Fraktionen für die Länge der Redebeiträge und die Reihenfolge der Tagesordnungspunkte. Der Parlamentarische Geschäftsführer ist zudem Disziplinarvorgesetzter der rund 40 Mitarbeiter und versucht Seelsorger für die Abgeordneten und Mitarbeiter zu sein. Am Ende ist er aber dafür zuständig, dass der Fraktionsvorsitzende nach außen wirkt. Die Aufgabe des Fraktionsvorsitzenden ist es, die Fraktion nach außen zu vertreten und die des Parlamentarischen Geschäftsführers, sie nach innen so zu formieren, dass es nach außen kein negatives Bild gibt.

 

Wie sieht denn ein normaler Arbeitsalltag aus, wenn es so etwas überhaupt gibt?

Der beginnt morgens mit einer kleinen Telefonkonferenz und geht dann weiter mit dem nächsten Gespräch. Im Laufe des Tages werden dann weitere Dinge organisiert: Dass wir die Mehrheit im Ausschuss haben, dass wir sprechfähig zu allen Themen sind, dass wir möglichst mit entscheidenden Presseerklärungen rechtzeitig rausgehen und dann auch die Rückmeldung aus den Ausschüssen bekommen, um zu wissen wo es noch hakt und wo es gut gelaufen ist. Im Laufe des Abends besuche ich dann Veranstaltungen als Gesicht der Fraktion und als Vertreter der CDU. Das ist ein Job, der 70 bis 80 Stunden in der Woche bedarf, der aber auch unheimlich viel Spaß macht.

 

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Das war schon ganz früh und sehr jung. Ich bin in einem Haushalt zwar nicht groß geworden, wie Sie sehen, aber aufgewachsen, der sich schon während des kalten Krieges damals sehr stark mit Politik beschäftigt hat. Es war nie mein Ziel, in den Landtag zu kommen. Ich war in der Jungen Union sowie im Gemeinderat und irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, für den Landtag zu kandidieren. Ein politischer Mensch war ich immer und werde ich immer bleiben, daher ist es naheliegend, dass man in eine Partei eintritt und politische Aufgaben übernimmt.

Was wären Sie wahrscheinlich, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?

Wahrscheinlich in irgendeiner Form selbstständig. Ich war vor meiner politischen Tätigkeit auch selbstständig mit Betrieben in Wacken, Itzehoe und Polen. Meine Unabhängigkeit zu bewahren war und ist mir immer schon sehr wichtig.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am meisten?

Dass ich sehr viel Gestaltungsspielraum habe. Ich kann viel beeinflussen und mitgestalten. Natürlich muss ich auch immer wieder kompromissbereit sein, aber ich kann durch das Land Schleswig-Holstein fahren und voller Stolz sagen, dass ich an vielen Dingen, die sich verändert haben, ein stückweit beteiligt war und ein kleines Rädchen in diesem großen Zahnrad gewesen bin.

 

Gibt es auch Sachen, die Ihnen an ihrem Job eher weniger gefallen?

Dass es so lange dauert von der Idee bis zur Umsetzung. Ich bin als Verkehrspolitiker auch an der A20 beteiligt und bin seit den 19 Jahren Mitgliedschaft im Landtag im Kern noch nicht wirklich weitergekommen. Dafür bin ich zu ungeduldig, das gefällt mir wenig.

 

Was machen Sie dann in Ihrer Freizeit abseits von der Politik am liebsten?

Wenn ich frei habe, und das ist sehr selten, freue ich mich, mit meiner Familie zusammen zu sein und Kinder und Enkelkinder um mich zu haben. Ab und zu renne ich einem weißen Ball hinterher und mache das, was man Golf spielen nennt. Ich mache das aber hauptsächlich, um zusammen mit meiner Frau in der Natur zu sein, und das genieße ich.

Welchen Satz hören Sie in Ihrem Job am häufigsten?

„Ihr müsst endlich mal dafür sorgen…!“

 

Was könnte man tun, damit auch mehr junge Menschen im politischen Umfeld arbeiten und sich engagieren?

Eine gute Frage, das überlege ich jeden Tag. Die jungen Menschen heute sind auch politisch aber nicht mehr in der Form, in der wir es waren. Sie kritisieren zwar zurecht die Dinge, die in der Gesellschaft falsch laufen, sind aber selbst wenig bereit etwas zu tun. Viele streben leider gleich ein politisches Amt an, ohne zunächst einmal zu überlegen, wie man sich engagieren kann und ohne eine bestimmte Idee, die man gerne umsetzen möchte. 
Mir fehlen die Organisation und die Strukturen, mit denen man junge Menschen besser einsetzen kann. Es ist zudem eigentlich auch nicht richtig, dass wir, die Älteren, über die Zukunft junger Menschen entscheiden. Die Entscheidungen werden uns nicht mehr so lange betreffen wie es Sie betrifft, das sind Entscheidungen, die Sie ausbaden müssen. Deswegen wäre es mir lieber, wenn sich viel mehr junge Menschen engagieren würden und von mir aus auch gegen mich kandidieren und sagen: „Du sitzt auf meinem Stuhl!“. Da sind die jungen Leute leider nicht aggressiv genug.

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