| Nr. 149/08

zu TOP 37: „Konsequentes Handeln vor Ort ist wichtiger als weitere Unterschriften unter Deklarationen“

Sperrfrist: Redebeginn
Es gilt das gesprochene Wort

Lieber Herr Matthiessen, mit Ihren beiden Anträgen verfolgen Sie drei Ziele:
- Sie wollen einen Bericht der Landesregierung über die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie in Schleswig-Holstein in der 35. Tagung des Schleswig-Holsteinischen Landtages.
- Sie wollen besondere Anreize für die ehrenamtliche Arbeit im Natur- und Umweltschutz und 1.000 Patenschaften zur Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt.
- Sie wollen, dass die Landesregierung der IUCN-Initiative „Countdown 2010“ beitritt.

Der letzte Bericht der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein stammt aus dem Jahr 2001. Er wurde am 25. Januar 2002 hier im Hause debattiert. Damals lautete die Überschrift meiner Pressemitteilung: „Bericht wird der Bedeutung des Themas nicht gerecht.“ Es gab heftige Kritik für eine ganze Reihe von Ungenauigkeiten und zum Teil auch unkorrekte Angaben. Und damals wie heute vermisse ich eine sorgfältige, grundsätzliche Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema. Dieses ist umso wichtiger, weil alle bisherigen Schutzbemühungen den Verlust von Lebensräumen und den Artenrückgang nicht haben aufhalten können. Deshalb kann ich Ihnen schon jetzt sagen: Wir werden Ihrem Antrag zustimmen und sollten dann diese inhaltliche Debatte in der 35. Tagung des Landtages führen.

Diese notwendige Auseinandersetzung kann dann auf der Grundlage des aktuellen Berichtes erfolgen, den die Landesregierung zur Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie vorlegen wird.

Nun zu Ihrem zweiten Anliegen, mehr Anreize für ehrenamtliche Arbeit im Natur- und Umweltschutz und 1.000 Patenschaften:

Ich frage mich schon, wie Sie die Wirklichkeit der praktischen Naturschutzarbeit – insbesondere der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit – im Lande wahrnehmen und bewerten?

Es ist doch wirklich erfreulich, dass das Magazin „GEO“ ganz aktuell dem Land Schleswig-Holstein bescheinigt: „Pluspunkt sei außerdem das Engagement der „Nordlichter“: 7 % seien Mitglieder in Naturschutzverbänden“, so eine dpa-Meldung vom 17. April 2008.

Die ehrenamtliche Naturschutzarbeit in Schleswig-Holstein hat eine lange Tradition. Dafür steht die Vielfalt unserer großen und kleinen Verbände: Zum Beispiel vom NABU, dem Landesjagdverband, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bis hin zu den lokalen Bündnissen vor Ort wie dem „Förderverein Mittlere Treene“, dem kleinen aber feinen Naturschutzverein Kasseedorf oder der Vogelschutzgruppe Malente-Eutin.

Eine lange Tradition hat auch die Betreuung unserer Schutzgebiete in Schleswig-Holstein. Über 30 Naturschutzvereine betreuen zurzeit 123 Naturschutzgebiete, 22 Bereiche im Nationalpark Wattenmeer sowie weitere 8 geschützte Gebiete. Allein dafür erhalten sie in 2008 rund 1 Millionen Euro.

Darüber hinaus engagieren sich die Vereine und Verbände sowie viele Bürgerinnen und Bürger in unzähligen Artenschutzprojekten. Ich nenne nur wenige: Seeadler, Wiesenweihe, Schwarz- und Weißstorch, Fischotter, Fledermäuse, Eulen, Hornissen, Eisvögel, Amphibien, Orchideen und viele andere mehr. Der Jagd- und Artenschutzbericht 2007 der Landesregierung gibt eine umfangreiche Übersicht.

Die vielen Umweltbildungsaktivitäten belegen ebenfalls eindrucksvoll: Es gibt ein hohes ehrenamtliches Engagement in unserem Land. Dieses verdient es sicherlich, in der Ausschussberatung noch einmal genauer analysiert und bewertet zu werden. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz wären viele Aktivitäten und Maßnahmen im Naturschutz nicht möglich. Es ist auch unsere Verantwortung dafür zu sorgen, dass die engagierten Naturschützer im Lande weiterhin mit Freude dabei sind.

Nun zu Ihrer letzten Forderung, der IUCN-Initiative „Countdown 2010“ beizutreten: Diesem Wunsch stehe ich sehr zurückhaltend gegenüber. Ohne Zweifel ist die IUCN auf nationaler und internationaler Ebene ein wichtiger Motor im Einsatz für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität.

Es gibt für mich keinen Zweifel, dass wir die Vielfalt des Lebens auf der Erde von der genetischen Vielfalt über die Artenvielfalt bis hin zur Vielfalt der Ökosysteme schützen und dauerhaft sichern müssen.

Auf der Ebene unseres Landes sollten wir uns aber vor allem auf die Entwicklung und Umsetzung der dringend erforderlichen, konkreten Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen konzentrieren.

Weniger ist manchmal mehr!
Die unzähligen rechtlichen Regelungen, die vielen Gutachten und Konzepte haben bisher den Artenrückgang nicht verhindern können und ich frage ganz bewusst: Brauchen wir wirklich weitere Unterschriften unter Deklarationen oder brauchen wir konsequenteres Handeln vor Ort? Auch darüber lassen Sie uns im Ausschuss debattieren – ich freue mich darauf.

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Sprechen Sie uns an:


Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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